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4d Rezens. Unterhaltung

Donnerstag, 31. Januar 2008

Rosendorfer, Herbert: Die große Umwendung



Kurzbeschreibung:
Nach fünfzehn Jahren kehrt Kao-tai, der Mandarin aus dem 10. Jahrhundert, wieder in die Welt der "Großnasen" zurück. Diesmal allerdings nicht zu Forschungszwecken, sondern um sein Leben zu retten.
Da er sich in seiner Zeit auf der Flucht befand, landet er diesmal nach dem Sprung mittels Zeitreisekompass nicht in dem ihm bekannten Min-chen, sondern in einer ihm völlig fremden Stadt namens Kö-leng – und das mitten im Karneval.
Auf der Suche nach seinem alten Freund Herrn "Schi-schmi" verschlägt es ihn quer durch Deutschland, sogar bis nach New York und Rom. Auch diesmal hält er seine Beobachtungen schriftlich fest.

Zum Autor:
Herbert Rosendorfer, am 19. Februar 1934 in Bozen geboren, ist promovierter Jurist und Professor für bayerische Literatur. Er war Gerichtsassessor in Bayreuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993 bis 1997 in Naumburg/Saale. Seit 1969 hat zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die ›Briefe in die chinesische Vergangenheit‹ am bekanntesten geworden sind.
Alle seine Bücher sind auch als Taschenbücher bei dtv erschienen.

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Der Nachfolgeband zu "Briefe in die chinesische Vergangenheit" ist im selben Stil geschrieben: Es handelt sich um Briefe an den Freund, wenn auch diesmal bedauerlicherweise die Anrede, das Datum und der Gruß fehlen.

Kao-tai landet zunächst in Köln, reist per Anhalter auf abenteuerliche Weise nach München, um festzustellen, dass sein Freund Herr Schmidt mittlerweile in den neuen Bundesländern arbeitet – in einer Stadt, die für ihn klingt wie Lip-tsing.
So geht die Reise für Kao-tai diesmal quer durch Deutschland und dort gibt es natürlich viel zu erleben und zu beobachten. Allerdings kam es mir diesmal ein wenig unglaubwürdiger vor und teilweise doch sehr konstruiert.
Man bekommt den Eindruck, der Autor habe diesmal unter Zeitdruck gestanden. Das Buch rast von einer Situation in die nächste, die soweit entfernt von der vorherigen ist und teilweise so absurd, dass man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln muss.
Diesmal sind die einzelnen Genres deutlich zu erkennen, die "abgearbeitet" werden mussten und die Überleitung war manchmal schon sehr weit hergeholt. Es kam sogar vor, dass ich einzelne Passagen überblättert habe, weil ich es langatmig fand (z.B. das Kapitel über "Spong" und Malerei). An anderer Stelle habe ich wieder schallend gelacht, weil der Charme und Witz des Vorgängers zu spüren war.

Was ich etwas deplaziert fand, waren die Passagen, in der politische Kritik geäußert wird. Kritik ist gut, aber sie sollte nicht persönlich werden (z.B. an "Obermandarin Ko", "Le-ning-tsu-Schüler Gi-si", "Scha-ping" mit dem langen Hals etc.). Da hatte ich den Eindruck, ich lese nicht Kao-tai sondern Rosendorfers persönliche Abrechnung, die teilweise sehr depressiv-angehaucht bei mir ankam.

Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass Herbert Rosendorfer sich wohl nicht die Mühe gemacht hat, sein Erstlingswerk noch einmal zu lesen, bevor er dieses Buch schrieb. So bekommen wir u.a. noch einmal erzählt, wie wundersam Kao-Tai Besteck findet. Auch habe ich diesmal viele Beobachtungs-Begriffe von Kao-tai nicht verstanden und konnte sie auch im Nachhinein nicht enträtseln. Das unterbrach den Lesefluss an manchen Stellen unangenehm.

Alles in allem kann man sich dieses Buch sparen. Die wenigen heiteren und herzerfrischenden Passagen sind zu selten. Da liest man lieber noch einmal das Erstlingswerk.

Ich vergebe Schulnote 3,4

- in: 4d Rezens. Unterhaltung 23 mal gelesen

Rosendorfer, Herbert: Briefe in die Chinesische Vergangenheit




Kurzbeschreibung:

Der Mandarin Kao-tai aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines "Zeit-Reise-Kompasses" tausend Jahre in die Zukunft und landet – ohne die ihm unbekannte Erddrehung mit berechnet zu haben - im Min-chen der 1980er.

Verwirrt und zugleich wissbegierig beginnt er mit seinen Beobachtungen, deren Zweck die Zeitreise war. In Briefen schildert er seinem chinesischen Freund seine Erkenntnisse und Erlebnisse, erzählt vom seltsamen Leben der "Großnasen", die er zunächst noch für seine viel zu "lauten weil immer schreienden" Nachkommen hält. Er berichtet von deren kulturellen und technischen Errungenschaften (A-tao und Tamm-amm) und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind (z.B. Brandopfer Tsi-ga-ga-lei).


Über den Autor:

Herbert Rosendorfer, am 19. Februar 1934 in Bozen geboren, ist Jurist und Professor für bayerische Literatur. Er war Gerichtsassessor in Bayreuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993 bis 1997 in Naumburg/Saale. Seit 1969 zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die »Briefe in die chinesische Vergangenheit« (dtv 10541 und 25044) am bekanntesten geworden sind. Alle seine Bücher sind auch als Taschenbücher bei dtv erschienen.

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Interessant ist, wie Kao-tai uns alltäglichste Dinge aus seiner Sicht beschreibt, manchmal mit Begriffen, über die man erst einmal nachdenken muss. Wenn ich sie enträtselt hatte, musste ich oftmals schallend lachen, weil sie teilweise so liebenswert waren oder einfach zu treffend! Mir wurde wieder einmal bewusst, dass wir heutzutage so vieles einfach hinnehmen, ohne darüber nachzudenken.

Dieses Buch macht nachdenklich, denn es enthält einige Wahrheiten über unsere Zivilisation. Vielleicht macht es sogar nachdenklicher, als es das vor 20 Jahren getan hat.
Mag sein, dass die dauernde Kritik an der Zivilisation und ihren Errungenschaften und Folgen für manchen nervig sein mag. Man bedenke aber, dass das Buch in den 1980er geschrieben wurde, als Klimaschutz & Co noch nicht Tagesthema war.
Wir sind Leser des 21. Jahrhunderts und werden gerade in den letzten Monaten panikmachend darauf hingewiesen, was falsch läuft und verbessert werden könnte. Die hier erhobene Kritik erfolgt aber eher herzerfrischend und erscheint mir, da naiv formuliert, verständlicher.

Alles in allem gefiel mir das Buch sehr gut, denn ich konnte viele seiner Beobachtungen und Schlüsse sehr gut nachvollziehen.

Ich vergebe daher Schulnote: 1,2

- in: 4d Rezens. Unterhaltung 23 mal gelesen

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