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4e Rezension Fantasy

Montag, 7. Januar 2008

Kearsly, Susanna: Mariana



Mariana - Susanna Kearsley
Klappentext
Das einladende Steinportal mit der grün gestrichenen Eingangstür, die Fenster in ihren weiß lackierten Rahmen und die roten Schornsteine auf dem Schieferdach: Als Julia Beckett das alte verwunschene Bauernhaus in Wiltshire zum ersten mal sah, war sie noch ein kleines Mädchen - und wusste doch sofort, dass es eines Tages ihr Zuhause sein würde.
Jahre später wird der Kindheitstraum wahr. Doch kaum ist Julia in Greywethers eingezogen, da geschieht Seltsames mit ihr: Sie meint, das Leben von Mariana zu führen, einer unglücklich verliebten Dienstmagd, die im 17. Jahrhundert, während der Zeit der großen Pest, in diesem Haus gewohnt hat. Immer tiefer gelangt Julia in den Sog der Zeitreise, immer schwerer fällt es ihr, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden.


Zugegeben, das Ende war ein Schock, obwohl ich noch nicht einordnen kann, warum. Ich habe geweint, war ergriffen, wie schon lange von keinem Buch mehr. Vielleicht annähernd ähnlich habe ich mich damals nach "Die Nebel von Avalon" gefühlt; damals war es, als hätte ich endlich einen Schlüssel zu einer Tür gefunden, von der ich noch nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gibt - plötzlich war sie offen.

So ähnlich ging es mir hier. Dabei waren die "Nebel von Avalon" nicht annähernd so emotional wie das, was ich beim Lesen von "Mariana" empfunden habe. Im Moment bezweifle ich, dass ich jemals eine Rezension hinbekomme, die auch nur im Entferntesten an das heranreicht, was ich eben empfunden habe.

Das Buch bewegt sich in einer Thematik, die mir ohnehin schon sehr am Herzen liegt: Reinkarnation und Lösen von alten Problemen. Passt wie die Faust aufs Auge, denn genau das tut die Protagonistin Julia Beckett: Sie sieht im Alter von fünf Jahren ein Haus und weiß sofort "Das ist meins!". Ein paar Jahre später fährt sie erneut - zufällig - daran vorbei, und als sie es schließlich im Alter von 29 Jahren ein drittes Mal sieht - und es auch noch zum Verkauf steht - schlägt sie zu und wird Besitzerin von "Greyweathers". Ursprünglich war es Teil des Besitzes von "Crofton Hall", einem Gutshaus, das diese Tage dem jungen Geoffrey de Mornay gehört.
Vivan, die Besitzerin des örtlichen Pubs "Roter Löwe" und das Gärtnermultitalent Iain werden Julias beste Freunde und zusammen mit Geoff, dem Adeligen, bilden sie eine Art Vierergespann, das offensichtlich - auch über die Leben hinaus - miteinander verbunden ist.

Julia sieht sich immer mehr mit "Rückblicken" konfrontiert, die sie zunächst zu verdrängen versucht, sich aber mehr und mehr darauf einlässt, hält sie das Leben der Mariana Farr und ihrem Geliebten Richard de Mornay doch für sehr aufregend.
Die Beschreibung des Zeitpunktes, wenn sich Zeiten vermischen, ist sehr treffend und realistisch beschrieben und lässt auch einen "Nichtseher" erahnen, wie verwirrend es sein kann.

Für mich war sehr bald klar, dass Julia vormals Mariana, Vivian Marianas Cousine Rachel, Iain Richards Freund Evan und Geoff selbstverständlich sein eigener Nachkomme war - nämlich Richard.

Dass die wissende alte Frau Freda - Vivians Tante - Marianas Mutter gewesen sein musste, war für mich ebenso klar. Das war dann aber auch das einzige, bei dem ich richtig lag...

Susanne Kearsley hat es tatsächlich geschafft, mich bis zur vorvorletzten Seite vollkommen in die Irre zu leiten. Ich war felsenfest von Julia und Geoffrey als Parallel-Paar Mariana und Richard überzeugt, dass ich aus allen Wolken fiel, als sich der Kreis endlich schloss, als sie erkennt, in wessen Gestalt Richard zu Mariana zurückgekehrt ist.

Und ich kann es mir nicht erklären - doch, ich weiß es genau -, warum ich geheult habe wie ein Schlosshund; die Tränen waren einfach nicht zurückzuhalten: all die Anspannung, ob Julia Marianas Leiden tatsächlich ein Ende setzen kann; das tragische Ende der Vergangenheit; und die Erkenntnis, die ich für mein eigenes Leben gewonnen habe ("Es ist zu leicht, von der Vergangenheit eingefangen zu werden. Die Vergangenheit kann sehr verführerisch sein. Die Leute reden immer vom Nebel der Zeiten, aber in Wirklichkeit ist es die Gegenwart, die im Nebel liegt und unsicher ist. Die Vergangenheit ist dagegen klar, warm und tröstlich. Deshalb bleiben die Menschen oft in ihr stecken...") und dann später einer der Schlusssätze: "Dies sind deine schönen Tage, Julia Becket."
Das war für nachts um 00:30 ein wenig zu viel...

Mich hat dieses Buch sehr bewegt und ich glaube, für den Augenblick ist es das ergreifenste Buch, das ich jemals gelesen habe. Unbedingt lesenswert, auch für jemanden, der mit dem Thema Reinkarnation nicht all zu viel anfangen kann. Eine Geschichte für vielerlei Geschmäcker...

Ich vergebe daher eine Schulnote von 1,0 (!)

- in: 4e Rezension Fantasy 59 mal gelesen

Freitag, 4. Januar 2008

Zimmer-Bradley, Marion: Die Wälder von Albion



"Die Wälder von Albion" ist der vierte Band aus dem siebenreihigen Avalon-Zyklus von Marion Zimmer-Bradley.

Nach einem für mich eher schwachen Vorgänger "Die Hüterin von Avalon", haben wir mit "Die Wälder von Albion" wieder ein Buch nach meinem Geschmack. Das Cover der Fischerausgabe gefällt mir sehr gut: Priesterin in Aktion, diesmal mit einer goldenen Schale.

Wer nicht all zu viel über die Handlung wissen will, sollte den Klappentext der Fischerausgabe nicht lesen, da er den gesamten Verlauf der Geschichte vorweg nimmt.

Eilan, die Protagonistin -Priesterin des alten Volkes-, und Gaius, die männliche Hauptfigur -halb Römer halb Britone-, sind in einer gemeinsamen Liebe verbunden und haben beide ihre Ziele, die manchmal sehr gegensätzlich sind. Das Buch nimmt zwar ein tragisches Ende, endet dennoch positiv. Eingebettet in Cailleans Erzählungen bekommt man einen guten Einstieg aus dem Vorgänger "Die Hüterin von Avalon" und in den Nachfolger "Die Herrin von Avalon".

Das Buch ist schlüssig aufgebaut und – was für mich besonders wichtig ist - ohne chronologische Fehler. Das Wirken der GÖTTIN stellt sich in vielen Ritualen dar, die vielleicht von manchen Lesern als überspitzt, kitschig und absolut unglaubwürdig empfunden werden könnten. Mir persönlich haben sie größtenteils gefallen.

Lediglich zum Ende hin wirken manche Szenen sehr aufgesetzt und konstruiert. Insbesondere ist mir das in Kapitel 28 und 29 aufgefallen: Der Aufbau der Charaktere gerät ins Schwanken und man bekommt leicht den Eindruck, es müsse nun schnell zum Ende kommen.
Dies ist der einzige gravierende Schwachpunkt, den ich in diesem Band sehe.

Schulnote von 1,4

- in: 4e Rezension Fantasy 15 mal gelesen

Donnerstag, 3. Januar 2008

Zimmer-Bradley, Marion: Die Hüterin von Avalon (Bd.3)



Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 637

"Die Hüterin von Avalon" ist das dritte Band in der Avalon-Saga von MZB. Es spielt fast 2000 Jahre nach den "Ahnen von Avalon" und dieser Zeitraum reicht offensichtlich sehr gut aus, um an Glanz zu verlieren...

Das Buch beginnt mit 43 n. Chr., als die römischen Invasoren Britannien besiedeln und das Volk unterwerfen. Die beiden weiblichen Protagonisten sind Lhiannon, eine Priesterin aus Mona und Boudicca, die als junges Mädchen von ca. 13-15 Jahren in Mona ausgebildet wird. Schon bald ist klar, dass Boudicca eine Anführerin ist, die später einmal Britannien aus der Unterjochung führen soll...

Alles in allem strotzt dieses Buch von Kontinuitäts- und Sachfehlern, die mir persönlich die Freude am Lesen genommen haben (z.B. ist Bouddica vier Jahre lang 16 Jahre verheiratet, eine Person aus "Die Wälder von Albion" heißt plötzlich Rheris anstatt Rheis, usw.). Die Information, die englische Originalversion käme bereinigt und verbessert ein Vierteljahr später auf den Markt, als die deutsche Version hat mich persönlich sehr verstimmt.

Vieles, was an druidischem Wissen eingeflochten wird, unterscheidet sich sehr von dem, was die atlantidischen Vorfahren mitbrachten und ich erkenne MZB nicht wieder in diesem Buch. Für mich ist und bleibt es ein Werk von Diana Paxson und ich habe bereits bei "Der Priesterin von Avalon" (dem 6. Band der Saga) starke Abweichung und Kontinuitätsfehler bemerkt, was mich zu meinem persönlichen Fazit bringt, Paxson-geschriebene Bücher reichen bei weitem nicht an MZB.

Dies im Zusammenhang mit der eher plätschernden Handlung, nur um endlich zum Massaker von Mona zu gelangen, lässt mich zum Schluss kommen, dass es für mich ein eher mittelmäßiges Buch ist. Abgesehen von der Person Boudicca, die detaillierter beschrieben wird, würde es reichen, den Prolog aus "Die Wälder von Albion" zu lesen - eine Zusammenfassung von "Die Hüterin von Avalon"...

Bestenfalls kann ich eine Schulnote von 3,1 geben...

- in: 4e Rezension Fantasy 13 mal gelesen

Mittwoch, 2. Januar 2008

Zimmer-Bradley, Marion: Die Ahnen von Avalon (Bd.2)



"Die Ahnen von Avalon" als zweiter Teil einer insgesamt siebenbändigen Reihe schließt beinahe nahtlos an "Das Licht von Atlantis" an. Das erste Band hat mir schon ausnahmslos gefallen (bis auf den engen Druck, der doch etwas anstrengend zu lesen war).

"Die Ahnen von Avalon" beginnen mit den letzten Tagen von Atlantis und wenn ich darüber hinweg sehe, dass das Ende von Atlantis und die ursprüngliche Bevölkerung anders war, als das Volk, welches nun Atlantis verlässt, so hat mir das Buch gut gefallen. Nichts spricht dagegen, dass Überlebende auf andere Kontinente ausgewandert sind. Und gerade der "Göttinnenkult", der im späteren Avalon Einzug hält, ist in meinen Augen einer der wenigen "friedlichen" Lebensauffassungen.

Was ich auf jeden Fall anmerken will: Man merkt deutlich einen Unterschied zwischen MZB und Paxson. Mir kam es an manchen Stellen einfach zu oberflächlich vor. Leider kann ich das nicht genau festmachen an Beispielen...

Ich stelle fest, dass ich die Passagen um Tiriki lieber lese, als die um Micail, was wohl daran liegt, dass es in Micails Umfeld meist um Intrigen spinnen und durchführen geht, um Macht und Unterdrückung - um den falschen Weg, mit der Macht umzugehen.

Bei Tiriki geht es erst um das nackte Überleben, welches nur in der funktionierenden Gemeinschaft möglich ist. Dann erst machen sie sich an ihre Aufgabe, dem Licht einen neuen Platz zu schaffen.

Was mich etwas an diesem Buch stört, ist die Art und Weise, wie die Charaktäre mit ihrem Wissen umgehen bzw. nicht umgehen. Vor allem Micail lässt seine Kraft total brach liegen und auch Tirki anfangs...

Hat mancher Leser im Vorgänger "Das Licht von Atlantis" vielleicht das eine oder andere Verständnisproblem gehabt, so dürfte dieses Buch eine breitere Masse von Lesern ansprechen: Neben den "erleuchteten" Priester und Priesterinnen spielen auch "normale" Menschen wie die Einheimischen Großbritanniens, das Sumpfvolk, die Seeleute u.a. mit.

Was mir leider aufgefallen ist: Es haben sich Fehler eingeschlichen. So werden aus vier Priesterschülern plötzlich drei, ohne das man etwas über den Verbleib des vierten erfährt.
Das bestätigt mich mal wieder in meinem Eindruck, dass es Frau Paxson nicht so genau mit ihren Aufzeichnungen nimmt (siehe dazu auch "Die Priesterin von Avalon" und "Die Hüterin von Avalon")

Also, ein flüssig zu lesendes Buch mit der für mich richtigen Thematik, eine wunderbare Verbindung zwischen der alten und neuen Zeit, gepaart aber mit einigen Fehlern und dem für mich widersprüchlichen Verhalten der "Erleuchteten" lässt mich zu folgendem Resultat kommen:

Schulnote 1,3

- in: 4e Rezension Fantasy 17 mal gelesen

Dienstag, 1. Januar 2008

Zimmer-Bradley, Marion: Das Licht von Atlantis (Bd.1)



Marion Zimmer-Bradley beginnt mit "Das Licht von Atlantis" die bis jetzt siebenreihige Avalon-Saga, die im Moment mit "Die Nebel von Avalon" ihr Ende nimmt.

Die weiblichen Protagonisten sind Domaris und Deoris, Schwestern und beide Schülerinnen im Tempel der Weißmäntel auf der Hauptinsel des Inselverbundes Atlantis. Sie treffen dort zusammen auf die männlichen Protagonisten: Die Brüder Micon (Träger des alten Wissens und der alten Macht) und Reio-ta, beide Prinzen einer Verbundinsel, die der schrecklichen Folter der Schwarzmäntel entkommen sind.

Wir begleiten diese vier teilweise sehr jungen Atlanter bei der Suche nach den Peinigern der Prinzen, die das alte Wissen für sich entdecken wollen, um damit absolute Macht zu erlangen. Dabei steht die Zukunft des Inselstaates auf dem Spiel. Ob ihnen Riveda, ein Graumantel, dabei wirklich helfen kann???

Ich kann mir vorstellen, dass ein Leser, der vielleicht esoterisch oder philosophisch nicht sehr belesen ist, einige Passagen in diesem Buch absolut weltfremd, unrealistisch und vielleicht ärgerlich findet. Die absolute und strenge Abgrenzung der Weiß-, Grau- und Schwarzmäntel und die Rituale der drei Richtungen können befremdend wirken, doch wird man rasch feststellen, dass alles auf ein Prinzip "Aktion-Reaktion" hinausläuft, was auf die heutige Gesellschaft durchaus auch anwendbar ist... Nichts im Leben ist wirklich böse, nichts ist wirklich gut. Es kommt darauf an, für was wir uns entscheiden!

Leser, die mehr vom alltäglichen Leben auf Atlantis lesen wollen, sind mit anderen Büchern besser beraten. Doch wer in das Leben der Gelehrten und Priester, ihren Ritualen und Weltanschauungen eintauchen will, der ist hier richtig.
Ebenso ist dieses Buch meines Erachtens notwendig, um Situationen und Passagen im Folgeband "Die Ahnen von Avalon" besser zu verstehen. Dieses gibt zwar einen recht guten Rückblick über die Geschehnisse, doch erklärt es nicht, was es mit den Tempelnamen/Seelen der Protagonisten auf sich hat... Und diese tauchen spätestens im vierten Band "Die Wälder von Albion" wieder auf und ziehen sich durch die ganze restliche Saga...

Ich habe mich in dem Buch und seiner Thematik sehr gut zu Recht gefunden und fand es von der ersten Seite an spannend. Einzig der enge Satz strengte das Auge auf Dauer etwas an.

Schulnote von 1,8

- in: 4e Rezension Fantasy 27 mal gelesen

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